Kommentar

Raus aus dem Corona-Schlaf

von: Robert Bachmann

Es sind sehr widersprüchliche Eindrücke, die das Corona-geplagte Deutschland dieser Tage über den eigenen Umgang mit der nach wie vor präsenten Pandemie-Gefahr vermittelt. Während sich Teile der Gesellschaft in ausgewählten Bereichen des öffentlichen Lebens – Innenstädte, Ausflugsziele, Mallorca-Urlaub – spürbar locker gemacht haben, verharren andere Bereiche, vornehmlich die weniger vergnüglichen, weiterhin im Shutdown-Modus. Dazu scheinen auch zahlreiche kommunale Baubehörden zu gehören. So zumindest geht es aus der Kritik hervor, mit der sich der Baden-Württembergische Handwerkstag diese Woche an die Öffentlichkeit wendete. Ausgerechnet am Bau, einem der wenigen konjunkturellen Hoffnungsträger dieser Tage, bleiben demnach weiterhin Aufträge in der Genehmigungspipeline stecken, weil sich Sachbearbeiter im Homeoffice befinden und von dort aus keinen Zugriff auf wichtige Unterlagen haben. Daran zeigt sich nicht nur, wie schleppend und einseitig die Rückkehr der arbeitenden Bevölkerung in den "Normal"-Betrieb verläuft; auch offenbart die Corona-Krise hier besonders deutlich, welche Folgen eine mangelnde Digitalisierung für die Produktivität eines Wirtschaftszweigs haben kann. Bislang haben das dicke Auftragspolster und eine weiterhin hohe Nachfrage den Bau gut über Wasser gehalten. Die Einschätzungen werden jedoch zunehmend verhaltener. Von der sonst für den Frühsommer typischen Belebung der Stimmungs- und Geschäftslage ist laut Zentralverband des Deutschen Baugewerbes derzeit keine Spur. Rückläufige Entwicklungen im Wirtschaftsbau und im öffentlichen Bau drücken mehr und mehr aufs Gemüt der Branche. Die Sorgen vor einem verzögerten Einbruch im zweiten Halbjahr werden zunehmend größer. Insbesondere dem öffentlichen Bau kommt jetzt eine zentrale Bedeutung zu. Die Kommunen sind angehalten, mit ihren Investitionen den Konjunkturmotor Bau am Laufen zu halten. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung liefert hierfür die nötige finanzielle Unterstützung. Jetzt liegt es an den Behörden, ihren Teil zur Konjunkturbelebung beizutragen, in dem sie diese Mittel effizient umsetzen. Die dafür erforderlichen personellen Kapazitäten waren schon vor Corona eng bemessen. Ein Grund mehr, schleunigst die bestehenden Defizite in der Digitalisierung zu beseitigen.

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