Luise im bunten Glaskleid

Deutscher Bundestag erhält neues Gebäude

Berlin (ABZ). – "Der Deutsche Bundestag leidet an Fettsucht" – so hatte einst die Süddeutsche Zeitung getitelt. Damit alle Abgeordneten Platz haben, musste ein Neubau errichtet werden. Dieser besteht aus Holzmodulen, die mit einer bunten Glasfassade verkleidet sind. Die Elemente für dieses Großprojekt lieferte Glas Marte.
Fassaden
Von der Planung bis zur bezugsfertigen Fertigstellung benötigten Verantwortliche und Ausführende nur wenige Monate. Foto: Glas Marte

Der aktuelle Bundestag gehört zum größten frei gewählten Parlament der Welt, er ist auf 736 Abgeordnete gewachsen. Berücksichtigt man, dass jeder Parlamentarier Anrecht auf drei Büros mit einer Größe von etwa 18 m² hat, ergibt sich ein Platzbedarf von rund 40.000 m². Um diesem gerecht zu werden, wurde der Luisenblock-West erstellt. Den Zuschlag für seine Errichtung erhielt eine Bietergemeinschaft, bestehend aus dem Projektentwickler Primus developments, dem Holzbauspezialisten Kaufmann Bausysteme und dem Architekturbüro Sauerbruch Hutton. Sie schlugen ein Gebäude in Holzmodulbauweise vor, das den Verantwortlichen zufolge gleich drei Vorteile miteinander vereint: Erstens ist es schnell zu errichten. Zweitens lässt es sich problemlos zurückbauen und an anderer Stelle neu aufstellen. Und drittens hat sich die Bietergemeinschaft dazu verpflichtet, die etwa 5000 m³ Holz, die für den Bau erforderlich sind, wieder aufzuforsten.

Und so kam es, dass im Parlamentsviertel ein bautechnisch zukunftsweisendes Haus entstand. Es verfügt über einen H-förmigen Grundriss mit zwei Höfen. Der südliche dient der Erschließung, der nördliche ist durch eine Glaswand gegen den Lärm der Stadtbahn geschützt und wird als grüner Aufenthaltsbereich genutzt. Auf einen Keller haben die Planenden des siebengeschossigen Gebäudes verzichtet. Bodenplatte und Fundamente bestehen aus Stahlbeton, genauso wie die beiden Erschließungskerne. Da die Gebäudetechnik zu schwer für die Holzmodule ist, musste sie auf die massive Mittelspange gesetzt werden.

Demgegenüber sind alle Büro-, Besprechungs- und Nebenräume aus Holzmodulen gefertigt. Ein Großteil der 6,75 m langen und 3,2 m breiten Elemente wurde in Berlin-Köpenick – nur knapp 20 km von der Baustelle entfernt – produziert. Allerdings – von außen sieht man dem Objekt nicht an, dass es sich um einen Holzmodulbau handelt. Die Fassade besteht aus Recycling-Aluminium sowie buntem Glas und zeigt damit die gestalterische Handschrift des Architektenbüros Sauerbruch Hutton. Dessen Mitarbeiter planten insgesamt 1300 Glaselemente ein. Bei der Auswahl des Farbtons ließ der Bauherr ihnen freie Hand – die einzige Vorgabe war, dass sich alle Abgeordneten darin wiederfinden sollten. So wurden insgesamt zwölf unterschiedliche Farbtöne eingeplant. Mit der Herstellung der Glaselemente wurde die Firma Glas Marte beauftragt. Das Bregenzer Unternehmen gehört zu den marktführenden Glasver- und -bearbeitern. Eine seiner wichtigsten Leitlinien ist, den Glasanteil möglichst groß, die Befestigungselemente filigran und den Montageaufwand klein zu halten. Da das Unternehmen bereits bei einem anderen Projekt eng mit dem Büro Sauerbruch Hutton zusammengearbeitet hat, war es den Planern in angenehmer Erinnerung geblieben. Entsprechend den Vorgaben lieferte der Glasspezialist etwa 1900 m² beziehungsweise 59 t Einfachglas, 12 mm VSG/ESG sowie 12 mm des Typs ESG-H – jeweils mit dem speziellen Siebdruckmuster.

Dabei war eine der größten Herausforderungen die farbliche Gestaltung der Glaselemente. Denn welche Farben tatsächlich zum Einsatz kommen sollten, war anfangs noch nicht sicher, sodass ihre Rezepturen erst entwickelt werden mussten. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass bei der Herstellung das Glas auf rund 680 °C erhitzt wird und sich dabei seine Farbe verändert. Was bedeutet, dass die eigentliche Couleur und ihre Brillanz erst nach dem Einbrand zum Vorschein kommen. Die Montage der Glaselemente erfolgte durch die Firma Kaufmann. Um ihr die Arbeit zu erleichtern, entwickelte Glas Marte spezielle Glashalter, die genau auf die Einbausituation abgestimmt sind. Die 18 x 19 m große Atriumfassade inklusive Stahl-Unterkonstruktion, Beschattungslamellen und RWA-Lüftungsflügeln wurde mit insgesamt 96 UNIGLAS-Isolierglasscheiben versehen. Dabei sind die Stahllamellen um 60° geneigt und wurden so konzipiert, dass sie keinen Schlagschatten werfen. Darüber hinaus war der Glasspezialist an der 71 x 7 m großen Technikraumfassade beteiligt. Diese besteht aus thermisch vorgespanntem Einscheiben-Sicherheitsglas, das mithilfe der GM GLASSICS-U-Randverbundhalter eingebaut ist. Dieses Befestigungssystem wurde von Glas Marte so in den Randverbund integriert, dass bei der fertigen Montage nichts zu sehen ist außer Glas. Das Einbringen der Glaselemente hat ungefähr zwei Monate gedauert.

Dieser kurze Zeitraum entspricht der hohen Geschwindigkeit, mit der das gesamte Gebäude errichtet wurde. Von Projektierungsbeginn bis zur bezugsfertigen Fertigstellung benötigten die Verantwortlichen nur wenige Monate.

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