Sika zieht positives Fazit nach der BAU 2023

Alles dreht sich um CO2-Reduktion

Der Baustoffhersteller Sika hat kürzlich die Übernahme der MBCC Group abgeschlossen, zu der auch die Marken PCI und THOMSIT zählen. Daniela Schmiedle, Geschäftsführerin der Sika Deutschland und Jochen Grötzinger, Head Research & Development Germany und Mitglied der Geschäftsführung, unterhielten sich mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga anlässlich der BAU 2023 in München über die weiteren Ziele des Konzerns.
Sika ABZ Exklusivinterview Baustoffe
Für Daniela Schmiedle (Geschäftsführerin der Sika Deutschland) und Jochen Grötzinger (Head Research & Development Germany und Mitglied der Geschäftsführung) ist CO2-Minderung ein wichtiges Ziel. Foto: Sika

ABZ: Frau Schmiedle, Herr Grötzinger, Sika präsentierte sich als Aussteller der BAU in München. Was waren Ihre ersten Eindrücke von der Messe – nach insgesamt vier Jahren Verzögerung wegen der Pandemie?

Schmiedle: Wir waren begeistert von der Stimmung vor Ort und hatten das Gefühl, es herrschte so etwas wie Aufbruchsstimmung trotz des etwas schwierigen wirtschaftlichen Umfelds, das die Baubranche derzeit durchlebt. Wir hatten viele gute Gespräch mit Kunden, Geschäftspartnern und Interessenten und bekamen eine großartige Resonanz auf unseren Stand. Man sah auch, wie gut die Messe belegt war, obwohl sich das anfangs nicht so abgezeichnet hatte, da auch der April als Termin etwas kritisch gesehen wurde. Bis auf wenige waren alle großen Unternehmen vor Ort und wir sind sehr froh, dass die Messe trotz des ungewohnten Termins stattfinden konnte.

ABZ: Waren noch Einflüsse der Pandemie auszumachen?

Grötzinger: Man konnte spüren, dass die Menschen Sehnsucht hatten, sich persönlich zu treffen und auszutauschen nach all den virtuellen Meetings. Es ist einfach viel persönlicher, sich wieder gemeinsam Exponate anschauen und mit Menschen diskutieren zu können.

ABZ: Welches war für Sika als Hersteller das wichtigste Thema in diesem Jahr?

Grötzinger: Von der technischen Seite dreht sich alles um CO2-Reduktion. Unser Versprechen an die Gesellschaft ist klar die Transformation des Unternehmens in Richtung Net Zero bis 2050, wobei wir bis 2032 im ersten Schritt 25 % unserer CO2 -Emission einsparen werden.

ABZ: Was sind die wichtigsten Neuheiten, die Sika zur BAU ausstellte?

Grötzinger: Zum einen ist das sicherlich der 3D-Druck. Das Exponat auf dem Messestand ist komplett mit Hilfe der Technologie des 3D-Betondrucks entstanden. Das rund zwei Tonnen schwere Modell veranschaulicht eindrucksvoll, was mit dieser Technologie möglich ist. Wir stellen unsere Sikacrete-3D Druckmörtel vor, mit denen auch individuelle Designs umgesetzt werden können. Zum anderen ist das klar unsere neue innovative Dachabdichtungsbahn Sarnafil AT FSH. Die am Flachdach einzigartige Technologie verschließt eventuelle Beschädigungen zuverlässig. Ein Wassereintritt an einer beschädigten Stelle wird schnell unterbunden und macht die Abdichtungsbahn damit besonders sicher und langlebig. Gerade vor dem Hintergrund des erhöhten Beschädigungspotenzials durch nachfolgende Gewerke oder Extremwetterereignisse ist mit Sarnafil AT FSH eine dauerhafte Abdichtungsfunktion gegeben. Das konnten wir an unserem Messestand sehr eindrücklich und anschaulich vorführen.

ABZ: Welche Ziele verfolgt Sika in diesem Jahr?

Schmiedle: Für dieses Jahr ist das relativ einfach zu beschreiben. Die Akquisition der MBCC-Gruppe ist ein Meilenstein für Sika und wird uns dieses Jahr durchaus strukturell beschäftigen. Wir freuen uns auf die Kompetenz der neuen Kolleginnen und Kollegen. Neue Produktionsstandorte bieten Kapazität für Wachstum, der komplementäre Warenkorb bietet zusätzliche Marktchancen. Mit noch stärkerer Kapazität im Bereich Forschung & Entwicklung wollen wir unbedingt der Treiber für Nachhaltigkeit in unserer Branche sein. Insgesamt betrachtet ist das weitere Wachstum in Kombination mit dem Weg zur klimaneutralen Produktion grundsätzlich auch in diesem Jahr Ziel unserer Unternehmensstrategie – aber das wird uns eben nicht nur dieses Jahr beschäftigen, sondern dauerhaft.

ABZ: Wann soll das Ziel "Net Zero" erreicht sein?

Grötzinger: Unser erstes Zwischenziel streben wir im Jahr 2032 an. Bis dahin wollen und werden wir 25 Prozent unseres CO2-Fußabdrucks im Vergleich zu 2022 als Basisjahr reduziert haben. Das hört sich vielleicht im ersten Moment noch nicht so ambitioniert an, hier muss aber berücksichtigt werden, dass wir in der vor uns liegenden Periode bis 2032 auch noch wachsen werden. Und auch dieses Wachstum muss ebenfalls kompensiert werden. Unser endgültiges Ziel der Klimaneutralität wollen wir 2050 erreicht haben, mit bis 90 Prozent Reduktion im Vergleich zu 2022. Und das ist auch unter Berücksichtigung des Wachstums bis dahin eine riesige Herausforderung, die vor uns liegt. Uns ist durchaus bewusst, dass ein solcher Punkt nicht erreichbar ist ohne Kreislaufwirtschaft. Wenn Sie bedenken, dass heute in diesem Bereich nur sehr wenige Produkte Cradle to Cradle-zertifiziert sind, wird ersichtlich, welche Aufgaben noch zu bewältigen sind.

ABZ: Sie hatten die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Sie als Hersteller erwähnt. Was sehen Sie da als weitere Herausforderungen an?

Grötzinger: Die CO2-Reduktion ist schon ein großes Thema. Wir versuchen, Nachhaltigkeit und Produktperformance zu kombinieren, aber am Ende des Tages muss die CO2-Reduktion auch einen Wert bekommen. Neben Produktperformance und Kostenniveau muss die CO2-Reduktion ein Parameter sein, der als Entscheidungskriterium Gewicht bekommt. Und wenn wir den Bogen ein bisschen weiter spannen, was etwa das Recycling angeht, kommen wir schon in Richtung Beton-Recycling, beispielsweise mit unserer ReCO2ver-Technologie. Doch da stehen uns manchmal in Deutschland Regelwerke entgegen, die nur einen sehr bescheidenen Recycling-Anteil bei neuen Baumaßnahmen zulassen. Da sind noch einige Veränderungen notwendig, damit wir Technologien, für die wir technisch alles zur Verfügung stellen können, dann auch tatsächlich im Markt zum Einsatz bringen dürfen.

ABZ: Wie bewerten Sie als Hersteller die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen?

Schmiedle: Wir haben im deutschen Markt eine starke Regulierung, die uns sicherlich in den letzten Jahren auch gestärkt hat. Aber wenn wir es nicht schaffen, diese Regulierungen relativ schnell mit den Anforderungen an die CO2-Reduktion in Einklang zu bringen, wird das nicht funktionieren. Meines Erachtens ist hier eine Transformation der ganzen Branche notwendig. Jochen Grötzinger erwähnte schon, dass wir zum Beispiel momentan gar keine Recyclingbaustoffe über ein bestimmtes Maß hinaus in Beton einbauen dürfen. Wenn das so bleibt, wird die Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen, denen wir uns alle stellen müssen, sehr, sehr schwierig werden. Dazu braucht es gebündelte Kräfte. Wir müssen alle zusammenarbeiten, und sehr schnell schauen, dass diese Technologien in einen Einklang mit einer veränderten Normierung gebracht werden können. Ziel muss es sein, auch recycelte Baustoffe vernünftig in unseren Kreislauf einbringen zu dürfen. Momentan dürfen wir dies nur in minimalen Mengen, und das hemmt uns.

ABZ: Sehen Sie da die politische Entscheidungsebene in der Pflicht?

Schmiedle: Es muss sich auf jeden Fall etwas tun in den nächsten fünf Jahren. Wir sind in vielen Beiräten und Gremien vertreten und versuchen, an entsprechenden Stellen mit Informationen zu helfen und zu partizipieren, wo wir es können. Das ist aber auch nicht unendlich möglich, denn letztendlich kostet das Kapazitäten und Geld, und wir als Hersteller müssen profitabel wirtschaften. Es gibt es aber auch schon positive Beispiele. Wir sind zum Beispiel in enger Abstimmung mit der Stadt Stuttgart.

Auch dort stellt man sich die Frage, wie man den Weg zu CO2-Reduzierungen erreichen kann. Das Ziel ist gesetzt, aber der Weg ist nicht klar. Und an der Stelle sehen wir schon, dass es wichtig ist, sich so gut wie möglich mit allen möglichen Gremien zu vernetzten und Hilfe anzubieten. Wenn das jeder tut, dann sind solche Ziele erreichbar.

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