Baubranche unter der Lupe

Wie steht es um den Wirtschaftszweig?

Lübeck (ABZ). – Viele schwarzseherische Meldungen kursieren aktuell über die Baubranche: Erst Corona, dann die Inflation hätten den Sektor in die Knie gezwungen. Was sagen die Fakten? Wirtschaftsinformationsanbieter databyte wertet Zahlen des Handelsregisters aus.

Die Anzahl an Baugenehmigungen brach nach Angaben von databyte im Bundesgebiet im ersten Halbjahr 2023 um etwa 27 Prozent ein. Die Baupreise stiegen im zweiten Quartal um 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Um der Baubranche zu helfen, unterstützt die Bundesregierung die Bauindustrie nun mit einem Maßnahmenpaket. Dazu gehört unter anderem der Verzicht auf den EH-40-Energiesparstandard, der ab 2025 für Neubauten vorgesehen war und Bauherren noch höhere Kosten bescheren würde. Doch wie steht es um den Status quo?

Danach verbuchte die Baubranche, also Hoch- und Tiefbau sowie vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe, im ersten Quartal dieses Jahres 35 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal erfasste das Handelsregister laut databyte einen etwas geringeren Anstieg von 22 Prozent.

Besonders der Hochbau litt unter den Krisen: Zwischen 2022 und 2023 stieg die Insolvenzquote um 45 Prozent. Der Tiefbau musste mit 42 Prozent mehr Insolvenzen einen ähnlich schweren Schlag hinnehmen. Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe schnitten mit einem 25-prozentigen Illiquiditätsanstieg vergleichsweise verkraftbar ab.

Trotz der Krise scheint eine Bausparte einen Hoffnungsschimmer zu sehen, so verkündet databyte: der Tiefbau. Während der Hochbau mit 30 Prozent weniger Neugründungen im vergangenen Jahr kämpft und bei den sonstigen Bautätigkeiten die Gründungsquote bei -1 Prozent stagniert, legt der Tiefbau um 7 Prozent zu. Grundsätzlich zeigten sich nach Angaben von databyte die Neugründungszahlen resilienter als die Insolvenzen, doch die Neugründungen im Tiefbau rutschten in den letzten zwei Jahren nicht ein Mal ins Minus.

Das Handelsregister zeigt, dass im Mai schon eine deutliche Besserung der Neugründungssituation auftrat. Der Juni, als letzter beobachteter Monat der Auswertung, verbesserte jedoch die Gesamtsituation erheblich: Von -2 Prozent an Neugründungen im Mai kletterte der Wert auf 18 Prozent mehr Neugründungen als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig liegt die Insolvenzquote bei 19 Prozent, erstmalig wieder unter der 20er-Marke. "Die positive Entwicklung im Mai und Juni lässt darauf schließen, dass die Talsohle überschritten ist – besonders unter Berücksichtigung des Zeitpunkts", verkündete databyte-Geschäftsführer Alexander Hiller. Wie stark sich die Hilfsmaßnahmen auf die Situation der Bauunternehmen auswirken, zeigen die nächsten Monate.

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