Regionale Wertschöpfung

Mit Holz aus eigenen Wäldern 1800 Tonnen an CO2 eingespart

Brixen/Italien (ABZ). – Manche Projekte brauchen etwas länger, um zu reifen. So verhält es sich auch mit der Realisierung einer neu errichteten Wohnanlage St. Albuin in der Giuseppe-Verdi-Straße in Brixen. Denn der Bauherr, die Diözese Bozen-Brixen, erhielt nach eigener Aussage von der Stadtverwaltung dieses Baugrundstück im Eintausch gegen ein Gebäude in der Brixner Altstadt (das nun als öffentliche Bibliothek genutzt wird).
holzius Bauen mit Holz
Die mit holzius neu errichtete Wohnanlage der Diözese Bozen-Brixen ist aktuell das erste (und einzige) mehrgeschossige Vollholzhaus seiner Art in Südtirol.

Das Gelände liegt am südlichen Ring des Altstadtkerns in einer ruhigen Sackgasse ohne Durchzugsverkehr. Eine der Vorgaben seitens der Diözese: Die hohe Wohnqualität des Umfelds sollte sich auch in der Architektur, Bauweise und Materialwahl widerspiegeln.

Die Entscheidung, die Wohnanlage in Vollholzbauweise zu errichten, entwickelte sich über einen längeren Zeitraum, wie die Diözese erklärt. Im Zuge diverser Gespräche mit den Fachleuten der Forstverwaltung der Diözese seien die konstruktiven Vorteile des Naturbaustoffs Holz zur Sprache gekommen. Für Diözesanökonom Franz Kripp hatte dieser Input durchaus Gewicht, schließlich sollte das neue Objekt auch die Büroräumlichkeiten der Forstverwaltung beherbergen, die bisher im Gebäude in der Altstadt untergebracht waren. "Aus internen Gesprächen heraus haben sich neue Ideen entwickelt. Schlussendlich gab es überzeugende Argumente für die Holzbauweise: die Nachhaltigkeit des Baustoffs, die hohe Wohnqualität und die Tatsache, dass die Diözese Bozen-Brixen mit ihrem Waldbesitz selbst das Baumaterial zur Verfügung stellen könnte", erklärt Franz Kripp die Entscheidungsfindung.

Reine Holzbauweise

Nachhaltigkeit bedeutet immer auch Regionalität und Handwerkskunst. Für Planung und Architektur zeichnet Christine Pfeifer, Pfeifer Partners aus Eppan, verantwortlich: "Wir haben ein Konzept entwickelt, das die Architektur der vorhandenen Eisenbahnhäuser integriert und sich in diese Schnittstelle am Rand des Hofburggartens zwischen Vorstadt und Innenstadt gut einfügt." Die Berechnung der Lebenszyklusanalyse des Gebäudes hat ergeben, dass sich die Bemühungen des Bauherrn, der Planer und Handwerker gelohnt haben: Im Vergleich zu herkömmlichen Bauwerken konnten 1800 t an CO2 eingespart werden.

Mit dem Südtiroler Holzbauspezialisten holzius sei ein Partner gefunden worden, der das Konzept in der Fertigung realisieren konnte. Nach der Besichtigung entsprechender Referenzprojekte in Südtirol sowie eines Besuchs des Betriebs in Prad am Stilfserjoch wurde der Auftrag erteilt. Ein ausschlaggebendes Detail sei die garantierte Beständigkeit der holzius Vollholzhäuser aufgrund der Schwalbenschwanz-Holzverbindung gewesen – einer uralten Technik, die neu interpretiert wurde. Eine Gratleiste mit Kanten in Schwalbenschwanzform ist der patentierte Kern der holzius Bauart, so das Unternehmen. Dadurch sei leim- und metallfreies Bauen in garantierter Formstabilität und dauerhafter Luftdichtheit möglich. Das gelte für Decken- und Dachelemente ebenso wie auch für alle Massivholz-Bauteile eines holzius Hauses.

Der Bauplatz in Brixen selbst misst 1700 m². Die Planung sieht laut Diözese vor, darauf eine Tiefgarage, Unterkellerung sowie ein Gebäude mit Sockelgeschoss und drei Obergeschossen zu realisieren. Die zwölf Wohnungen mit zwei, drei oder vier Zimmern weisen demnach eine Nettowohnfläche von 42 m² bis 80 m² auf. Die Wohnungen im Erdgeschoss verfügen über einen Gartenanteil, die restlichen Einheiten sind mit großzügigen Balkonen ausgestattet. Im Sockelgeschoss sind die neuen Büros der Forstverwaltung der Diözese untergebracht. Die Nutzfläche der Wohnungen und Büros beträgt insgesamt rund 850 m². Franz Kripp geht ins Detail: "Unser Ziel ist es, verschieden dimensionierten Wohnraum sowohl für einzelne Interessenten als auch Familien anzubieten. Selbstverständlich zum korrekten Landesmietzins und mit langfristigen Perspektiven. Denn als kirchlicher Bauherr und Vermieter nehmen wir unsere gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst."

Die Diözese erklärt die weiteren Pläne: Abgesehen vom Erschließungskern des Gebäudes (Liftschacht und Stiegenhaus) wurde nur noch eine davon entkoppelte Wand als konstruktiver Stabilisator in Stahlbetonweise ausgeführt. Die weitere tragende Struktur inklusive der Wände und Decken wurde in Vollholzbauweise realisiert. Die Konstruktion ist teilweise verkleidet, im Außenbereich durch einen weißen Sockel mit Farbspielen in der Fassade, im Innenbereich durch separat verlegte Holzböden sowie Holzpaneele vor den Rohwänden – auf diese Weise lassen sich oberflächliche Ausbesserungen und Reparaturen im Mietobjekt schneller und günstiger durchführen, so die Bauherrin. In den Wohnungen sind abgehängte Lehmdecken mit integrierter Heizung installiert. In den Räumlichkeiten der Forstverwaltung ist die Vollholzqualität stärker wahrnehmbar, wie Franz Kripp erklärt: "Hier wurde Holz in Sichtqualität verbaut, die Böden sind aus Lärche, die Wände teilweise aus Zirbe."

Die Wohnanlage St. Albuin in Brixen ist für die Diözese nach eigenen Angaben das erste Bauprojekt in Holzbauweise. Für Diözesanökonom Franz Kripp war es eine Herausforderung, entsprechend umzudenken: "Beim Bauen mit Holz muss jedes kleinste Detail bereits vorab eingeplant werden. Nachträgliche Veränderungen – wie bei der Massivbauweise üblich – sind hier nicht so einfach möglich. Das hat uns 'gezwungen', sehr überlegt an dieses Projekt heranzugehen. Allerdings macht sich diese Vorarbeit schlussendlich in einer schnelleren Umsetzung vor Ort bezahlt." Herbert Niederfriniger, Geschäftsführer von holzius, bestätigt: "Die frühzeitige Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Wohnbedürfnissen mag ungewohnt sein, tut solchen Projekten langfristig aber sehr gut. Mit der Diözese Bozen-Brixen haben wir einen Auftraggeber, der sich bewusst auf diese Herangehensweise einlässt. Die Offenheit der Ansprechpartner hat es ermöglicht, dass wir unsere langjährige Expertise voll einbringen konnten."

Eigenes Holz aus Windwurf

Das Vollholz für den Bau der neuen Wohnanlage stammt nach Angaben der Diözese ausschließlich aus den eigenen Wäldern der Diözese Bozen-Brixen. Es handelt sich dabei demnach größtenteils um Windwurf-Material, das im Jahr 2018 durch den Sturm Vaia verursacht wurde. Das Holz wurde in einem Sägewerk in Villnöss eingeschnitten und schließlich bei holzius in Prad am Stilfserjoch zu vorgefertigten Wand-, Decken- und Dachelementen verarbeitet, erklärt das Unternehmen. Der Transportaufwand sei auf diese Weise auf ein Minimum beschränkt worden. Ein Detail am Rande: die Fernwärmegesellschaft, an deren Netz die Wohnanlage angeschlossen ist, heizt laut Bauherrin zum Teil mit demselben Windwurf-Holz aus den Wäldern der Diözese. Aufgrund der Bauweise, der Ausführung und der Energieeffizienz sei das Gebäude bereits in der Bauphase als Klimahaus A Nature zertifiziert worden.

Die bereits eingezogenen Bewohner sowie die Mitarbeiter im Büro der Forstabteilung geben der Diözese durchwegs positive Rückmeldungen und heben die außergewöhnlich hohe Wohnqualität aufgrund der Vollholzbauweise der Wohnanlage hervor, ziehen alle Beteiligten Bilanz.

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