On-Demand-Verkehr wächst - autonomes Fahren soll Schub bringen

Hofheim am Taunus/Offenbach/Limburg (dpa). - Auf Abruf, flexibel und als Ergänzung zum Nahverkehr - On-Demand-Shuttles gewinnen zunehmend Fahrgäste. Können die Rufbusse die Verkehrswende entscheidend voranbringen?
Verkehr Nutzfahrzeuge
Der "On-Demand" Bus "Hopper" fährt durch Dietzenbach. Der kleine Bus kommt auf Anforderung zum Einsatz. Foto: picture alliance/dpa | Boris Roessler

Sie heißen „Hopper“, „mainer“ oder „LahnStar“ und bringen Menschen auf Abruf an ihre Ziele: Die On-Demand-Angebote in zehn Teil-Verkehrsnetzen Hessens haben sich zu einem wichtigen Baustein des öffentlichen Nahverkehrs entwickelt. Mehr als 1,4 Millionen Menschen haben nach Angaben des Rhein-Main-Verkehrsverbundes die Rufbusse bislang genutzt - Tendenz steigend. Nach den guten Erfahrungen sind auch weitere Kommunen interessiert - man stehe im Austausch zur Planung und Realisierung weiterer On-Demand-Angebote, sagte ein RMV-Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Buchbar sind sie über Apps oder telefonisch, mit Vorlauf oder zum unmittelbaren Fahrtantritt und bewegen sich preislich in der Regel zwischen den klassischen ÖPNV- und den Taxitarifen. Das Ziel: In Ergänzung zu Bus und Bahn sollen die Nutzer mit öffentlichem Nahverkehr mobil und so private Pkw-Fahrten verzichtbar gemacht werden. Auf Basis einer aktuellen Erhebung geht der RMV davon aus, dass die Shuttle-Fahrten über alle Bediengebiete hinweg derzeit zu rund einem Fünftel private Autofahrten ersetzen. Aber auch auf selten genutzten Busverbindungen können die flexiblen und teils elektrisch betriebenen Kleinbusse in einigen Kommunen einspringen - das geschieht bereits in Idstein mit dem „Emil“, im Landkreis Offenbach mit dem „Hopper” und im Hanauer Stadtteil Klein-Auheim mit dem „mainer“.

Weg zur Verkehrswende

Auch für den Verkehrswissenschaftler Volker Blees von der Hochschule RheinMain in Wiesbaden sind die Shuttles auf Abruf ein vielversprechendes Zukunftsmodell auf dem Weg zur Verkehrswende. Blees ist an der Evaluierung einzelner Projekte in Hessen beteiligt und spricht von einer erstaunlich großen Resonanz. Üblicherweise benötigten neue Verkehrsangebote ein bis eineinhalb Jahre, bis sie etabliert seien. „Und hier geht die Wachstumskurve stetig weiter.“ Größter Hemmschuh sei allerdings der vergleichsweise große Personalbedarf: Das auf Flexibilität und Individualität ausgelegte System mit Shuttlebussen benötige im Vergleich zum Linienverkehr von Omnibussen und Bahnen deutlich mehr Fahrerinnen und Fahrer - die auch in anderen Bereichen des öffentlichen Nahverkehrs knapp sind. Das mache diese Angebote vergleichsweise teuer und stehe einer Ausweitung des Einsatzes in noch mehr ländlichen Regionen entgegen.

Einen Schub dürften On-Demand-Angebote deshalb vor allem dann bekommen, wenn die Shuttles autonom unterwegs sein können - ohne Fahrer. Doch bisher lassen solche Lösungen noch auf sich warten. Das entsprechende Projekt mit der Bezeichnung „KI-basierter Regelbetrieb autonom fahrender On-Demand-Verkehre“ - kurz KIRA - in Darmstadt und im Landkreis Offenbach war im vergangenen Jahr auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben worden, weil das Kraftfahrtbundesamt die nötige Genehmigung nicht erteilt hatte. Gerade Städte böten sehr komplexe Rahmenbedingungen für autonomen Verkehr, sagt Blees. Die Messlatte der Sicherheitsanforderungen liege hier angesichts von Haftungs- und Verantwortungsfragen nochmals deutlich höher als im bestehenden Straßenverkehr. Gerade für innerstädtische Einsätze müsse autonome Technologie deshalb sehr weit entwickelt sein, um die Situationen genau erfassen und adäquat reagieren zu können.

Betrieb schrittweise hochfahren

Nach Angaben der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF), die neben der Darmstädter HEAG mobilo zu den lokalen Partnern von KIRA gehört, arbeiten alle Beteiligten mit Hochdruck daran, das Projekt an den Start zu bringen. Wenn das Kraftfahrtbundesamt die erforderliche Genehmigung erteile, beginne man mit den ersten Fahrten, „danach wird der Betrieb dann schrittweise hochgefahren“, kündigte die kvgOF-Sprecherin an.

Mit 13 einbezogenen Kommunen unterhält der Landkreis Offenbach das hessenweit größte On-Demand-Bediengebiet. Monatlich mehr als 40.000 Fahrgäste werden mit dem Hopper befördert. Erfahrungsgemäß nutzten alle Altersgruppen die Shuttles, vor allem aber seien sie wichtiges Element der Daseinsfürsorge für Senioren, erklärte eine Unternehmenssprecherin. „Für Berufspendler erfüllt der Hopper eine wichtige Anschlussfunktion an den Linien-Verkehr und auch für Jugendliche bietet der Hopper eine Alternative für das Elterntaxi.“

Wer die Shuttles auf Abruf nutzt, fährt entweder allein oder mit anderen, die zu ähnlichen Zeiten zu gleichen Fahrtzielen unterwegs sein wollen - „Pooling“ oder Bündelung nennt man dieses System, das über einen in der Software hinterlegten Algorithmus funktioniert. Im Schnitt werde derzeit etwa jede zweite Fahrt gebündelt, heißt es von der kvgOF. Um die Bündelung zu optimieren, hat das Unternehmen den Zuschnitt der Bediengebiete und die Wartezeiten auf den Fahrten im Blick und nimmt, falls nötig, Anpassungen vor. „Mit der Anwendung der Erfahrungen aus dem Pilotprojekt und bei weiterhin steigender Nachfrage ist mit weiteren Effizienzsteigerungen zu rechnen“, heißt es.

Ausreichend Personal akquiriert

Die Fahrerinnen und Fahrer für den „Hopper“ stellt derweil der Betreiber Via Mobility DE bereit, der ausreichend Personal akquiriere. Zwar sei auch Via Mobility Mitte Dezember vergangenen Jahres durch Krankheit und Personalwechsel von Ausfällen gebeutelt gewesen, inzwischen habe sich die Situation aber wieder deutlich entspannt.

Für die Zukunft der Shuttlebusse auf Abruf zeigen sich sowohl der RMV als auch die kvgOF zuversichtlich. Positive Signale, unter anderem im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Landesregierung, sprächen dafür, dass das On-Demand-Projekt auch über 2024 hinaus weiter gefördert werden, heißt es von den Verkehrsunternehmen. Eine längerfristige Förderung ist auch aus Blees' Sicht sinnvoll, um die Verkehrswende voranzubringen. Mobilitätsverhalten sei stark von Gewohnheiten geprägt - um es in der Breite zu ändern, brauche es einen langen Atem und häufig auch äußere Anstöße, sagt der Wissenschaftler - wenn die Menschen etwa täglich im Stau stehen und dann vielleicht erst einmal, dann immer häufiger auf Bus, Bahn oder On-Demand-Shuttle setzen. „Den großen Change, den kriegen wir nicht von heute auf morgen hin mit den Angeboten, die wir jetzt aus dem Hut gezaubert haben, sondern wir müssen schauen auf die langfristigen Effekte. Und da setze ich wirklich sehr, sehr große Hoffnungen auch auf On-Demand-Angebote“, sagt Blees.

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