Erst laut, dann taub! Gemeinsam gegen Lärm am Bau

"Arbeitsschutz sollte ein Grundrecht sein"

Berlin (cr). – "Das Gehör kann nicht selbst heilen", mahnte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB).
Gesundheit Berufsgenossenschaften
Mit Gehörschutz gegen Lärmschwerhörigkeit. Foto: an-Peter Schulz/BG BAU

Der ZDB, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) haben in der vergangenen Woche während einer gemeinsamen Pressekonferenz im Vorfeld des Tags gegen Lärm am 24. April mehr Anstrengungen beim Thema Lärmschutz auf Baustellen angekündigt.

In der Bauwirtschaft und in den baunahen Dienstleistungen ist Lärmschwerhörigkeit die häufigste gemeldete Berufskrankheit, berichten die Teilnehmer. 4.581 neue Anzeigen auf Verdacht einer berufsbedingten Lärmschwerhörigkeit hat die BG Bau bisher für das Jahr 2023 verzeichnet. Im Jahr 2020 sind es noch 2.686 Anzeigen gewesen.

"Die Zahlen sind steigend", sagte Pakleppa. Damit stehe die Lärmschwerhörigkeit auf dem ersten Platz der gemeldeten Berufskrankheiten am Bau. "Prävention endet nicht um 17 Uhr", betonte der Geschäftsführer des ZDB und wies auf die Gesundheitsgefährdung durch Lärm sowohl im privaten als auch beruflichen Umfeld, die zu Lärmschwerhörigkeit führe, hin.

Mit einer verstärkten Aufklärung wollen BG Bau, ZDB, HDB und IG Bau für einen besseren Schutz vor Lärm in der Bauwirtschaft werben. "Das Thema Lärm gehört auch zu einem Baugeschehen dazu", sagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des HDB. "Die Sicherheit und Gesundheit unserer Beschäftigten sind ein Muss", sagte er aber unmissverständlich.

Dazu gehöre auf technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen zu achten, diese zu überprüfen und zu aktualisieren. Technische Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten sind unter anderem leisere Maschinen oder lärmarme Arbeitsverfahren. So könnten beispielsweise Motoren eingehaust und zum Beispiel Stemmhämmer im Abbruch durch Zangen- oder Sägeabbruch ersetzt werden.

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Die Lärmschwerhörigkeit ist die am häufigsten gemeldete Berufskrankheit bei der BG Bau im Jahr 2023. ABB.: BG BAU

Sind technische Maßnahmen nicht möglich, muss die Lärmbelastung organisatorisch eingeschränkt werden, indem zum Beispiel Schallschutzwände oder Schallschutzkapseln die Lärmquelle abschirmen. Ab einer Lärmbelastung von durchschnittlich 80 Dezibel(A) am Tag müssen Unternehmen ihren Beschäftigten persönliche Schutzausrüstung (PSA) zur Verfügung stellen, also Kapselgehörschützer, Gehörschutzstöpsel oder Otoplastiken. Eine Tragepflicht besteht ab einem Wert von 85 Dezibel(A).

"Wir brauchen mehr Akzeptanz für Lärmschutz und ein stärkeres Bewusstsein sowohl bei den Beschäftigten als auch bei den Arbeitgebern für die schädliche Wirkung von Lärm. Eine Lärmschwerhörigkeit tritt auch nicht zwingend erst im Alter auf. Viele junge Menschen hören schlecht oder gar nicht mehr. Damit die Leute ihre Ohren schützen, brauchen wir passgenaue Schutzmaßnahmen", erläutert Gerhard Citrich, Leiter der Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz der IG BAU, und ergänzt: "Es soll auch gerne getragen werden."

Auch, wenn passgenaue Schutzmaßnahmen treuer sein, lohne es sich: "Arbeitsschutz ist kein Luxus – er sollte ein Grundrecht sein."

"Die Beschäftigten selbst müssen auch die Sensibilität für sich selbst haben", sagte Bernhard Arenz, Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG Bau. "Wir beobachten in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg der berufsbedingten Lärmschwerhörigkeit in der Baubranche. Deshalb ist Aufklärung so wichtig. Dabei setzen wir auf präventive Maßnahmen zur Vermeidung und Verringerung des Baulärms. Denn am wirkungsvollsten ist Lärmschutz dann, wenn wir Lärm schon am Entstehungsort mindern."

Die BG Bau fördert im Rahmen der Arbeitsschutzprämien die Anschaffung sicherer und gesundheitsfördernder Arbeitsmittel wie Otoplastiken mit finanziellen Zuschüssen.

Zwar seien grundsätzlich auch die Unternehmen in der Verantwortung, aber die BG Bau fördere Otoplastiken mit 50 Prozent – maximal 100 Euro pro Paar.

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